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Livekritik zu

Salut Salon

01.11.2009 - 19.07.2014 | Hamburg [ Mitte ] / Thalia Theater
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Arne
von Arne
am 08.07.2014

„Salut“ heißt „Hallo" wie „Tschüss“ und Salut Salon unterhalten auf so wunderbare Weise, dass man verwundert ist, dass es schon Zeit ist, „Salut“ zu sagen, hat man sich doch gerade erst „Salut“gesagt.

Die Zeit rast während die Zuschauer bzw. Zuhörer in Zeiten eines „das waren noch Zeiten!“ versetzt werden. Zeiten nämlich, in denen Salonmusik en Vogue und von großer Qualität war. Als sich Franz Liszt, Frédéric Chopin, Claude Débussy und Hector Berlioz in den Pariser Salons die Klinke in die Hand gaben.

Dass daran angeknüpft wird, ist eine große Bereicherung – und dass musikalisch und im Gestus eine Aktualisierung stattfindet eine erfrischende Notwendigkeit.

Was „große Unterhaltung“ ist, sieht man heute schließlich anders als zu Beginn des 19. Jahrhunderts und so finden ganz zurecht, witzig arrangierte Melodien von u.a. Tatort, E.T., Derrick, der Sendung mit der Maus und der Muppet Show ihren Weg ins Programm – und begeistern das Publikum.

Den Einstieg jedoch gestalten Angelika Bachmann an der Violine, Sonja Lena Schmid am Celllo, Iris Siegfried ebenfalls an der Violine und Anne-Monika von Twardowski am (in Hamburg natürlich Steinway) Flügel schicksalsträchtig-dramatisch. Es gibt Hexen, den Tod und den Teufel, makabere und feurige Tänze. Da ist musikalisch ganz schön was los – und vor allem eine Menge los gewesen seit „Was kann das Herz dafür“, dem Salut Salon Album aus dem Jahr 2003. Toll, wie die Mädels immer noch mit Spaß an der Freude unterhalten, das inzwischen aber mit viel mehr Tiefgang tun – nicht ohne ihn gleich wieder ironisch zu brechen.

Das Schicksal von der Warte der Philosophie endet in einem „es kommt, wie es kommt“ und überhaupt, so stellt das Quartett gleich eingangs fest, geht es nicht darum, Antworten zu geben. Auch nicht, was die Liebe angeht. Wer ein Herz gewinnt, bekommt die Musikerin gleich mit dazu und wer vor ihr – der Liebe, nicht der Musikerin – davonläuft, muss feststellen, dass sie wie der Igel auf den Hasen an der nächsten Ecke eh schon wartet.

 

Nach der Pause wird es mit dem von den Musikerinnen so geschätzten Astor Piazzolla melancholisch weiter. Zurecht, wie ich erleben durfte. Nun mag ich Tango ja ganz gern, tanzbar sind die Piazzolla Tangos aber nicht wirklich und bislang hatte mich das musikalisch nicht gar so gepackt. Warum? Das weiß ich jetzt auch nicht mehr und habe mir erstmal ein Piazzolla Album gekauft. Tolle Musik.

Gestrahlt habe ich weiters, als Sonja Lena Schmid ihre eigene Version des Cello-Songs von Udo Lindenberg zum besten gegeben hat. Nun sind Meisterfeiern beim Club an der Alster (und wahrscheinlich auch bei anderen Hockey Clubs) performativ vielleicht nicht unbedingt salonfähig – aber ein Riesenspaß, ein wichtiges Stück Hamburger Sportkultur – und es wird mit Begeisterung „Cello“ gesungen.

Von den verrückten Sportlern geht es dann zum virtuos-verrückten Musizieren. Da spielt eine Handpuppe die Geige, es kommt zum Hendrix-esken Streicher-Battle, bei dem tatsächlich nur noch das Spielen mit den Zähnen fehlt und Klavier kann man auch rücklings auf dem Klavierhocker liegend spielen. Nun, zumindest Anne-Monika von Twardowksi kann das.

Außerdem gibt es Gesang, die wohl kleinste Geige der Welt, eine Säge und ein Bandoneon.

Das Publikum dankte es dem Quartett mit tosendem Applaus, bevor, wer mochte, die Stiftung „Chancen für Kinder“ mit einer Spende unterstützen konnte, mit Hilfe derer sich Salut Salon für ein Projekt in Chile, die Escuela Popular de Artes engagieren.

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Ganz große Unterhaltung

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Medien von Arne

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