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Livekritik zu

Bunbury

21.11.2014 - 31.12.2014 | Stuttgart / Theater der Altstadt
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sibylle1
am 04.12.2014

Will man einen unterhaltsamen Theaterbesuch erleben, dann kann man mit Oscar Wilde überhaupt nichts falsch machen. Freche Sprüche und amüsante Charaktere sind dabei garantiert - zumal wenn man mit "The Importance of Being Earnest“ (hier wurde wieder „Bunbury“ als deutscher Titel gewählt) ein Stück besucht, das Wilde selbst als eine seiner besten Komödien bezeichnet.

Inhaltlich gibt es dazu nicht zu viel zu sagen – zwei Lebemänner versuchen den Zwängen der gesellschaftlichen Oberschicht zu entkommen und haben sich dazu ein Doppelleben erschaffen. Natürlich entsteht in diesen Doppelleben eine Liebesgeschichte und natürlich bietet das allerhand Stoff für Konflikte und Vorwürfe.

Aber alles in Allem nimmt es Wilde mit den Problemen im Liebesleben allerdings nicht so ernst – ging es ihm doch ursprünglich hauptsächlich darum, sich über den dekadenten Lebensstil zu amüsieren, den die englische Oberschicht zu seinen Lebzeiten pflegte. Dies kommt besonders in den Rollen der Diener Lane und Merriman – beide hervorragend dargestellt durch Lou Bertalan – zu tragen, die sich oft köstlich über das Verhalten ihrer Arbeitgeber amüsieren, ohne dies mit viel mehr als einem ironischen Blinzeln nach außen zu tragen.

Da der Lebensstil der englischen Oberschicht heutzutage aber keine allzu wichtige Rolle in den hiesigen Gefilden spielt und das Stück konsequent modernisiert wurde – Handschriften kann inzwischen keiner mehr lesen oder gar verfassen und jedes wichtige oder unwichtige Ereignis findet sofort seinen Weg in Facebook – musste natürlich auch die ursprüngliche Zielscheibe von Wildes Spott angepasst werden. Dies ist hervorragend gelungen, indem nun das selbstdarstellerische Leben, das so manch einer in der schönen neuen (virtuellen) Welt führt, zur neuen Zielscheibe des Spotts wurde. Natürlich wurde dabei auch der ein oder andere Seitenhieb auf eine übertrieben gesunde Lebensweise mit Glutenverzicht und Bio-Gurken nicht ausgelassen.

Als einziges Manko könnte man nennen, dass die Inszenierung – trotz all der vorgenommenen Modernisierungen – noch sehr eng am Original bleibt und sich keinen neuen, spektakulären oder zumindest skandalösen Elemente erlaubt. Hat man schon einmal eine Inszenierung von Bunbury gesehen oder das Stück als Schullektüre behandelt, vermisst man doch Ansätze, die dafür sorgen, dass sich der Theaterbesuch nicht wie das nochmalige Blättern in einem bereits mehrfach gelesenen Buch anfühlt.

Alle, die "The Importance of Being Earnest“ noch nie gesehen haben oder bei denen der Besuch schon eine Weile her ist, erwartet aber ein kurzweiliger Abend mit amüsanten Dialogen und gut sitzenden Pointen.

Besucherfazit

Wer einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend erleben möchte, kann nichts falsch machen.

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