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Livekritik zu

CAVEQUEEN

13.01.2013 - 24.03.2019 | Hamburg [ Mitte ], Berlin [ Mitte ]
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Ernst Derlage
am 22.01.2014

Willkommen in den 1990er Jahren!

So begrüßte mich meine Erinnerung gleich zu Beginn der One-Man-Show Cavequeen. Damals freuten wir uns über die mutigen Auftritte von Georgette Dee, Hella von Sinnen, Ralf Morgenstern, Mary & Gordy und Co., die zunehmend auch von der Generation unserer Eltern besucht wurden. Mit schwulem Witz und einer ordentlichen Portion Provokation, bewiesen Künstler der Gay-Szene damals erstmals deutlich Mut zur Offensive. Mit dem Resultat, dass selbst mein Vater begeistert war.

Mit demselben Charme und der gleichen tuntigen Attitüde will Nik Breidenbach - alias Cavequeen - nun noch das Tüpfelchen auf's "i" hieven, indem er versucht unter Zuhilfenahme von allerlei Statistik und Forschungsergebnissen dem (zumeist heterosexuellen) Publikum aus der Provinz beizubringen, wie nah beieinander die sexuellen Gelüste und Praktiken von Heteros und Homos doch sind. Kein Klischee wird ausgelassen und immer wieder wird mit dem verbal ausgetreckten Zeigefinger auf das Publikum gezeigt, der uns zu verstehen gibt: "Du willst es doch auch! Du stehst doch ebenfalls auf anale Stimulation!"

Und so reicht das Programm bis hin zum Sprachkurs für einen älteren Herrn, der nebst Gattin in der ersten Reihe sitzt und vom Künstler aufgefordert wird, lauthals "Arschfick" zu rufen. Ein Moment, in dem der Zuschauer endgültig beginnt, sich fremd zu schämen.

Juhu! Das ist es, was uns gefehlt hat, seit es im TV keine Sendungen wie "Liebe Sünde"  oder "Wa(h)re Liebe" mehr gibt. Wenn die Fernsehmacher nicht mehr mitspielen wollen, dann muss eben das Theaterpublikum dran glauben.

Und so verhielt es sich dann, dass zwar allgemeine Belustigung unter den zumeist weiblichen Zuschauern auszumachen war, jedoch die Besucher den Saal verließen und die vorangegangenen zwei Stunden unter der Rubrik " Dann hätten wir das auch mal gesehen" verbuchten.

Schade eigentlich - denn Nik Breidenbach spielt sehr souverän und kann als Solo-Künstler durchweg überzeugen. Wäre da nur nicht dieser 1990er Muff...

Besucherfazit

Schade ums Eintrittsgeld

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