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Livekritik zu

Euryanthe

05.04.2015 - 03.05.2015 | Frankfurt am Main / Oper Frankfurt
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cgohlke
am 03.01.2019

Eine Entdeckung

Die selten gespielte „Euryanthe“ von Carl Maria von Weber am Theater an der Wien

 

Nur sehr selten wir Carl Maria von Webers Oper „Euryanthe“ heute noch gespielt. Umso verdienstvoller ist es, dass das Theater an der Wien das so gut wie vergessene, aber doch interessante Stück in einer Neuproduktion aus der Versenkung geholt hat.

Eigentlich hat die Oper alles, was man sich von einem guten Stück wünschen kann: Ein edles Paar (Adolar und Euryanthe) und ein böses Paar (Lysiart und Eglantine), das aus Neid und unglücklicher Liebe eine Intrige einfädelt und das Glück der Guten fast zunichte macht. Einen König gibt es außerdem und eine dunkle Vorgeschichte. Vor allem aber ist Webers Musik von bemerkenswerter dramatischer Frische, wobei es das Verdienst von Constantin Trinks am Pult der hervorragend spielenden Musiker des Radio Symphonie Orchesters Wien und des exzellenten Arnold Schönberg-Chores ist, sie mit Klangschönheit und dramatischem Furor zum Leben erweckt zu haben.

Christof Loys Inszenierung überzeugt mit einer genauen, psychologisch schlüssigen Lesart, die nah am Text bleibt. Alle Sänger zeichnen sich dabei nicht nur durch stimmliche Präsenz, sondern auch durch schauspielerischen Einsatz aus. Die Eglantine der Theresa Kronthaler ist mit dunklem, glutvollem Timbre eine hinreißend hinterhältige und boshafte Eglantine; Andrew Foster-Williams ein nicht minder beeindruckender Lysiart, der bei kraftvoller Stimme in seiner Haltung doch selische Gebrochenheit durchscheinen lässt; Norman Reinhardt gibt mit schlankem, in den Höhen mitunter ein wenig angestrengtem Tenor einen zart-traurigen Adolar; und Jacquelyn Wagner spielt und singt mit durchdringendem, farbenreichen Sopran die Titelpartie als eine liebende und leidende, auch ein wenig unbedarfte Frau.

Ob es dem Verständnis oder der Vergegenwärtigung der Geschichte hilft, dass Johannes Leiacker (Bühnenbild) und Judith Weihrauch (Kostüme) die Handlung in einem weißen, klinikähnlichen Raum mit Zierleisten ansiedeln und die Figuren mit Kostümen bekleiden, die ein wenig an die 50er Jahre erinnern, sei dahingestellt. Allzu oft hat man dergleichen in den letzten Jahren gesehen, und „Fidelio“ könnte in diesem unspezifischen Ambiente ebenso gut (oder schlecht) spielen wie die „Fledermaus“ oder „Parsifal“. Sei es drum. Es lohnt, diese Oper zu sehen. Nicht zuletzt, weil Webers Stück aus dem Jahr 1823 hörenbaren Einfluß auf Wagners „Lohengrin“, wohl auch auf „Tannhäuser“ hatte.

Wien, am 31.12.2018

 

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