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Livekritik zu

Fidelio

07.08.2013 - 01.09.2013 | Berlin / Stadtbad Steglitz
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cgohlke
am 23.12.2018

Ohne Erregung

Ein lauer „Fidelio“ an der Berliner Lindenoper

Im Oktober 2016 hatte Harry Kupfers Inszenierung von Beethovens „Fidelio“ an der Berliner Staatsoper Premiere. Nach dem Umzug vom Schillertheater ist diese Arbeit in der Ausstattung von Hans Schvernoch nun in der endlich renovierte Lindenoper zu sehen. Am 19. Dezember fand die 12. und zugleich letzte Vorstellung in dieser Saison statt.

Harry Kupfers Idee war wohl, das Stück als eine Art von improvisierter Aufführung oder Probe zu inszenieren. Die Darsteller, die in die Rollen der Oper schlüpfen, sind vermutlich Musikstudenten. Denn immer wieder nehmen im Verlaufe der Handlung die Sänger eine Partitur zur Hand, um ein Singen-vom-Blatt zu imitieren. Auch der Flügel samt Beethoven-Büste und das Foto des Goldenen Saales aus dem Wiener Musikverein, das zunächst als Bühnenhintergrund dient, deuten in diese Richtung. Sobald das Foto fällt, wird eine schwarze Wand mit schwachen Inschriften sichtbar. Freiheit ist da zu lesen. (Dem Programmbuch ist zu entnehmen, dass das sogenannte EL-DE-Haus, ein Gestapo-Gefängnis in Köln, dafür Vorbild gewesen ist.) Das Konzept bleibt indes so vage, dass es von vielen Zuschauern kaum bemerkt werden wird. Vielleicht wundern sich einige darüber, warum plötzlich vom Blatt gesungen wird. Doch wenn die (glücklicherweise nicht bearbeiteten, wenn auch zum Teil stark gekürzten) Dialoge gesprochen werden und die Sänger als Figuren der Oper agieren, vergisst sich Kupfers ‚Idee‘ leicht. Dann bleibt der Eindruck, einer soliden Personenregie.

Der Abed in der Lindenoper hinterließ indes auch einen matten Eindruck, weil Karl-Heinz Steffens das Staatsorchester allzu beiläufig dirigierte. Daran mag zum Teil auch die Akustik Schuld sein. In der zweiten Reihe des ersten Ranges blieb der Klang völlig glanzlos. Nie blühte eine Kantilene auf, alles klang papiern und spröde. Darüber hinaus blieb Steffens der Oper viel an Spannung und Dramatik schuldig. So beiläufig darf ein „Fidelio“ nicht klingen! Natürlich überträgt sich eine solche Laxheit auch auf die Leistung der Sänger. Überzeugend war Florian Hoffmann mit einer klaren Stimme als Jaquino. René Pape klang als Rocco geschmeidig und souverän, aber eben auch ein wenig routiniert und spannungslos. Simone Schneider war mit eher dunklem Timbre der heiklen Partie der Leonore technisch gewachsen, ließ aber eben einen letzten inneren Furor vermissen. Gleiches ließe sich (mit Ausnahme des dunkles Timbres) über den Florestan des Klaus Florian Vogt sagen. Sein kerniger Tenor füllt den Raum der Staatsoper mühelos, aber auch bei ihm fehlte an diesem Abend der bezwingende Ausdruck, weshalb die Auftrittsarie ein wenig zu gleichförmig geriet.

So hinterließ dieser „Fidelio“ keinen besonders tiefen Eindruck, weder szenisch noch musikalisch. Gewiss, keine schlechte Aufführung. Eine routiniert abgespielte Repertoire-Vorstellung eben. Doch gerade bei dieser Oper ist Durchschnittlichkeit tödlich.

Berlin, 19. Dezember 2018

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Ohne Furor

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