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Streetdance-Show Blaze: Unser Bericht zur Audition in Berlin

Wer schafft den Sprung auf die große Bühne?

Es ist 9.15 Uhr an einem Dienstag Morgen in Berlin. Spannung liegt in der Luft. Der Boden vibriert, Beats dröhnen aus großen Lautsprecherboxen. Schuhsohlen quietschen. In der Tanzschule X-Step in Kreuzberg bereiten sich gerade 26 talentierte Tänzerinnen und Tänzer auf ihre große Chance vor. Einige dehnen sich. Andere gehen mit geschlossenen Augen und Kopfhörern in den Ohren eine Choreografie durch, deuten die Tanzbewegungen sachte an. In wenigen Augenblicken werden sie vor Kendra J. Horsburgh ihr Können unter Beweis stellen. Kendra gehört zum Team von „Blaze“, der international bekannten Streetdance-Show. Ab März wird das Tanzspektakel im Berliner Admiralspalast zu sehen sein. Ein letzter Platz in der 16-köpfigen Crew ist noch frei.

© livekritik.deGemeinsam mit den Produzenten der Show sucht Kendra nach einer starken, individuellen Persönlichkeit. „Wir haben einen internationalen Cast mit verschiedenen Styles und Flavours. Unsere Tänzer dürfen sich nicht ähneln“, sagt die gebürtige Luxemburgerin. Zudem sind eine schnelle Auffassungsgabe und Vielseitigkeit gefragt. Die Kandidaten müssen in den Disziplinen „Popping“, „Locking“ und „House“ überzeugen. In kürzester Zeit gilt es drei Choreografien einzustudieren, die sie dann gemeinsam mit einer Freestyle-Einlage der kritischen Jury vortanzen.

Egos out! Teamarbeit ist schon bei der Audition gefordert

Kendra ist eine der künstlerischen Leiterinnen der Londoner Hip Hop Dance Company „BirdGang“ und wirkte bereits bei zahlreichen internationalen Fernseh- und Bühnenproduktionen mit. Hip Hop, House Contemporary und Jazz sind ihre Spezialgebiete, aber das Multitalent arbeitet auch als Sängerin sowie Schauspielerin und kann steppen. Sie ist nicht nur eine von acht Choreographen im Team von „Blaze“, sondern tanzt selbst in der Show mit. Als sogenannter Dance Captain koordiniert sie die Arbeit zwischen den Choreographen und der Crew.

10 Uhr: Kendra positioniert sich vor dem großen Spiegel im Tanzsaal. Alle Blicke sind auf sie gerichtet. Freundlich und gut gelaunt erklärt sie, wie die Audition am heutigen Tag ablaufen wird. „Have a good time“ lautet ihr Rat und „Egos out!“. Schnell wird klar: „Blaze“ ist Teamarbeit. Für Konkurrenzkämpfe ist kein Platz, auch beim Vortanzen nicht. Anfänger ist hier niemand. Irre schnell setzen die jungen Talente die Bewegungen um, die Kendra vor dem Spiegel vormacht. Die Positionen werden dabei regelmäßig getauscht, sodass jeder einmal freien Blick auf den Dance Captain hat. Nach nur 30 Minuten ist der Spiegel schon beschlagen. Doch von Müdigkeit keine Spur. „How are you doing?“ ruft Kendra und aus der Gruppe heißt es fröhlich und fordernd: „One more time!“ In der rasanten Show wird der oder die Auserwählte am Ende einen langen Atem brauchen. Von den 90 Minuten, die „Blaze“ dauert, wird er oder sie jede einzelne auf der Bühne verbringen.

© livekritik.de

Das große Los im zweiten Versuch

Unter den Kandidaten ist auch die 30-jährige Raha Nejad. Die gebürtige Gelsenkirchenerin mit persischen Wurzeln tanzt seit über 20 Jahren und gibt sogar selbst Unterricht. Sie ist tourerfahren und machte 2011 schon einmal bei einer Audition zu „Blaze“ mit. „An dem Projekt reizt mich besonders der Stylemix und die tänzerische Höchstleistung, die von allen Mitwirkenden gefordert wird“, sagt sie. Damals hatte Raha jedoch kein Glück. Auch Kendra, die heute die Audition anleitet, wurde beim ersten Versuch nicht genommen, hat dann aber doch noch das große Los gezogen. Ob Raha ein ähnliches Schicksal bevor steht?

Um 12.30 Uhr sitzen bereits zwei Choreografien. Die dritte folgt sogleich. Kendras Stimme erfüllt den Probenraum: „Five, six, seven, eight and bah bah bah.“ Die Kandidaten saugen aufmerksam alles auf. Zwischendurch werden Fragen gestellt, die die Choreografin freundlich beantwortet. Schon jetzt zeigen sich die verschiedenen Charaktere der Tänzer. Einige sind sehr bei sich, hoch konzentriert und ernst. Andere sind eher locker oder aufgekratzt. Immer wieder geben sie sich selbst Zwischenapplaus und feuern sich gegenseitig an. Was für ein Teamspirit!

„Wir haben euch auf dem Schirm!“

© livekritik.de

Es ist Zeit für eine Pause. Doch niemand ruht sich hier lang aus. Nachdem die Energiereserven wieder aufgefüllt sind, gehen die meisten die erlernten Bewegungen noch einmal durch. In nur 40 Minuten werden die Kandidaten vor Kendra und den Produzenten der Show, Eric Holman und Eymert van Manen, überzeugen müssen. Die ersten Hürden sind bereits genommen. Aus über 150 Einsendungen wurden die vielversprechenden Talente ausgewählt. Drei Stunden anspruchsvolles Training liegen heute schon hinter ihnen. Doch nur ein einziger Platz in der Crew ist noch zu vergeben. „Dranbleiben“ lautet der Rat von Eric Holman an jene, die es heute nicht schaffen werden. „Wenn ihr uns gefallt, haben wir euch auf dem Schirm“.
 
Dann wird es ernst: In kleinen Gruppen von drei bis fünf Tänzern stellen sich die Bewerber den kritischen Blicken der Jury. Die Choreografien sauber zu performen ist jetzt Grundvoraussetzung. Wer es auf die Bühne schaffen will, muss zudem mit Energie und Persönlichkeit überzeugen – kurz: eine gute Show abliefern! Die Kandidaten tanzen alle auf sehr hohem Niveau und doch kann man bereits kleine Unterschiede erkennen. Während einige auf die richtige Abfolge der Bewegungen konzentriert sind, versuchen andere schon mit Ausdruck die Jury zu unterhalten. In den Freestyle-Parts versuchen die Tänzer sich von einander abzuheben. Trotz des hohen Drucks ist der Teamspirit noch immer zu spüren: Die Kontrahenten klatschen sich gegenseitig ab.
 

 

Zittern auf dem Flur

Es ist nun kurz nach 15 Uhr. Ein erstes Mal zittern: Auf dem Flur warten die Kandidaten darauf, dass Kendra heraustritt und die Nummern derjenigen verkündet, die es in die nächste Runde geschafft haben. Ob Raha Chancen hat? „Ich weiß es nicht. Aber ich bin mit meiner Leistung bis auf ein paar Feinheiten sehr zufrieden.“ Und tatsächlich! Die Wahlberlinerin konnte überzeugen. Gemeinsam mit drei weiteren Frauen und sechs Männern geht das Abenteuer „Blaze“ für sie vorerst weiter. Nun schaut die Jury noch genauer hin. In verschiedenen Konstellationen geben die zehn Kandidaten ihr Bestes und bilden in Sekundenschnelle neue Teams, liefern gemeinsam eine super Performance ab! Schon in der Audition ist zu erahnen, wie temporeich und energiegeladen die Bühnenshow sein wird. „Mit Blaze erlebt man den besten Abend überhaupt“, ist Produzent Holman überzeugt. „Die Show ist eine Kombination aus Theater, Konzert und einer Nacht im Club.“

Um 15.40 Uhr sind nur noch fünf Anwärter im Rennen, darunter auch Raha. Doch jetzt ist Schluss mit Tanzen! „Blaze ist wie eine Familie“, betont Eric Holman. Zeit also, die Kandidaten persönlich kennen zu lernen. In einem Stuhlkreis müssen die Tänzer sich nun wie in einem richtigen Bewerbungsgespräch verkaufen. Welche Geschichte haben sie zu erzählen? Wie groß ist ihre Bandbreite? Wie viel Herzblut bringen sie mit?

© livekritik.de„Ich bin ready, ich hab Bock!“

Als die Jury sich zur Entscheidungsfindung zurückzieht, ist Raha erstmal erleichtert. Egal wie dieser anstrengende Tag ausgeht, für sie war er eine wertvolle Erfahrung. Als um kurz nach 16 Uhr Kendra endlich die Entscheidung verkündet, steigen Raha die Freudentränchen in die Augen. Sie hat es geschafft! „Ich bin ready, ich hab richtig Bock!“, sagt die 30-Jährige strahlend. „Ich denke ich habe gezeigt, wie sehr ich das hier will. Aber am Ende ist es immer eine Typfrage“, schätzt sie. Auch der Produzent freut sich sichtlich über den Neuzugang in seiner Show. „Raha hat mit technischen Fertigkeiten auf hohem Niveau überzeugt. Vor allem aber ist sie eine Bühnenpersönlichkeit, die das Publikum von Blaze entertainen wird!“ Die Gigs in Berlin stehen bereits vor der Tür. Nur fünf Tage gibt das Produktionsteam der Gewinnerin, um die über 20 Choreografien für die Show zu lernen. Für diesen talentierten Wirbelwind ist das sicher ein Klacks.

„Blaze – The International Dance Spectacular“ ist vom 24. bis zum 29. März im Admiralspalast Berlin zu bestaunen. Mit dieser Show schufen Eric Holman und Eymert van Manen einen neuen Standard für Tanzproduktionen. „Blaze“ tourt bereits seit 2010 sehr erfolgreich durch die Theater der Welt. Für die Zukunft sind Stationen im Nahen Osten, Kanada und den USA geplant.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit semmel concerts.

Teaserfoto: Roy Beusker

 

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